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Stadt, Land - oder irgendwo dazwischen: Welcher Praxisstandort ist für angestellte Zahnärzte der beste?

von Monia Geitz
Lesezeit: ca. 9 Min. | Beitrag vom


Spannung in der Stadt, Ödnis auf dem Land – so platt lässt sich heute glücklicherweise nicht mehr sagen, welchen Einfluss der Praxisstandort auf das Leben und Arbeiten von angestellten Zahnärzten nimmt. Die Stadtpraxis bietet nicht nur Vorteile, Landpraxen bergen durchaus Potenziale. Auch Spezialisierungen auf Fachbereiche wie Implantologie oder Kieferorthopädie findet man hier. Doch wo werde ich als angestellter Zahnarzt glücklicher? Ein Kurz-Check.

Die gute Nachricht: Der Trend zur Anstellung als Zahnärztin oder Zahnarzt setzt sich auch weiterhin fort. Waren im Jahr 2009 noch 9.356 Personen in Zahnarztpraxen angestellt tätig, so hat sich laut der Publikation Daten & Fakten 2020 von Bundeszahnärztekammer und Kassenzahnärztlicher Bundesvereinigung die Anzahl bis 2018 auf 19.393 mehr als verdoppelt, während im gleichen Zeitraum die Anzahl der niedergelassenen Zahnärzte um rund 5.000 gesunken ist.

Kein Wunder – viele ältere Zahnärzte scheiden derzeit altersbedingt aus ihrer Praxis aus, doch längst nicht jede Praxis findet einen Nachfolger – der Strukturwandel macht sich auch in der zahnmedizinischen Versorgung bemerkbar. Großes finanzielles Risiko, langfristige Bindung an einen Ort sowie hohe Arbeitsbelastung empfinden viele junge Zahnärzte als unattraktiv. Die Anstellung dagegen punktet mit Flexibilität, finanzieller Entlastung und großen Vorteilen bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Und mit der Konzentration auf die uneingeschränkte Behandlung der Patienten – ohne Bürokratie.

Stadt oder Land – wo arbeitet es sich besser?

Grundsätzlich gilt: Vor- und Nachteile gibt es bei allen Standorten. Denn Einflussfaktoren auf die Zufriedenheit gibt es viele – das Gehalt, soziologische Faktoren und persönlichen Vorlieben. Extreme sind sicher die Landgemeinde und eine zentrale Lage in einer großen Großstadt, die wir uns hier einmal anschauen wollen.

    Grad der Verstädterung
  • Landgemeinde (unter 5.000 Einwohner)
  • kleine Kleinstadt (5.000 bis unter 10.000 Einwohner – bis hier spricht man vom „ländlichen Raum“)
  • größere Kleinstadt (10.000 bis unter 20.000 Einwohner)
  • kleinere Mittelstadt (20.000 bis unter 50.000 Einwohner)
  • größere Mittelstadt (50.000 bis unter 100.000 Einwohner)
  • kleinere Großstadt (100.000 bis unter 500.000 Einwohner)
  • große Großstadt (500.000 Einwohner und mehr)

Als angestellter Zahnarzt in der Stadt arbeiten und leben

Praxis in der Stadt: Großes Spektrum und hohe Patientendichte | Foto: liggraphy, pixabay.com, CC0

Vorteile Arbeit in der Stadt

Ein angestellter Zahnarzt in einer größeren Stadt profitiert eher von einer modernen, oft digital ausgestatteten Praxis und einer hohen Patientendichte. Auch finden sich hier eher größere Praxisstrukturen mit mehreren Behandlern oder medizinische Versorgungszentren. Dies gewährleistet, dass man genügend Patienten behandeln kann und zwischendurch wenig Leerlauf hat. Durch die höhere Wechselbereitschaft des Patientenstamms aufgrund des hohen Zahnarztaufkommens gibt es oft weniger Stammpatienten, die man über einen langen Zeitraum betreut. Dafür ermöglicht ein gemischter Patientenstamm jedoch die Erweiterung des eigenen Erfahrungsschatzes durch unterschiedliche Optionen der Versorgung.

Das Behandlungs-/Therapiespektrum ist meist breiter aufgestellt als im ländlichen Bereich, auch finden sich häufiger Praxen mit Spezialisierung. Wer eine Zusatzqualifikation anstrebt oder seinen Facharzt machen möchte, ist hier gut aufgehoben. Auch Fortbildungsmöglichkeiten sind hier eher gegeben, um die ärztliche Qualifikation konkurrenzfähig zu halten. Zudem ist die Offenheit für eigene Vorschläge – beispielsweise zur Verwendung neuer Materialien oder zu anderen Abläufen – gegebenenfalls größer. Insgesamt ist auch der Lernfaktor meist hoch.

Nachteile Arbeit in der Stadt

Da es für die Praxisinhaber eine größere Anzahl an Mitbewerbern gibt als auf dem Land, kann die Arbeit für den angestellten Zahnarzt durchaus einen hohen Stressfaktor aufweisen. Auch gibt es für ihn selbst größere Konkurrenz als auf dem Land. Muss eine Praxis sehr effizient arbeiten, ist es möglich, dass der Praxisinhaber und die Kollegen nur wenig Zeit für den angestellten Zahnarzt aufbringen. So kann es hier an Zeit für Besprechungen zur Therapie, Rücksprachemöglichkeit oder einer zweiten Meinung mangeln.

Vorteile Leben in der Stadt

Das Leben in der Stadt bietet eine bewährte Infrastruktur, Kultur, abwechslungsreiche Gastronomie, Nachtleben, Shoppingmöglichkeiten, Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie gute Verkehrsanbindungen. Damit lässt sich oft gut auf das eigene Auto verzichten. Wer mit Partner oder Familie in die Stadt zieht, findet dort ein gutes Angebot unterschiedlicher Schulen. Durch das vielfältige Jobangebot bietet sich auch für den mitziehenden Partner eine gute Chance, beruflich ebenfalls mit durchzustarten.

Nachteile Leben in der Stadt

Das Leben in der Stadt ist aber auch teuer. So ist es durch die stetig steigenden Miet- und Immobilienpreise schwer, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Auch Kitaplätze sind rar und oft mit langen Wartezeiten verbunden, sodass die Betreuung für den Nachwuchs schwierig wird. Lärm und Feinstaubbelastung können sich ebenfalls problematisch auswirken, und Grünflächen und Naherholungsgebiete liegen oft nicht direkt beim Wohnort und müssen erst extra aufgesucht werden.

Als angestellter Zahnarzt auf dem Land arbeiten und leben

Praxis auf dem Land: Treuer Patientenstamm und hohe Lebensqualität | Foto: fbhk, pixabay.com, CC0

Vorteile Arbeiten auf dem Land

Auf dem Land dominiert häufig noch immer das Modell der Einzelpraxis mit nur einem oder wenigen Behandlern, die größeren Behandlungszentren finden sich eher in Ballungsräumen. Dafür punktet die Landpraxis oft mit einem festen, treuen Patientenstamm, zu dem sich eine langfristige Bindung aufbauen lässt, mit weniger Konkurrenz an angestellten Zahnärzten und der Möglichkeit, die Arbeitszeiten individuell zu vereinbaren. Wer nur mit einem oder wenigen Behandlern zusammenarbeitet, profitiert meist von einem anregenden fachlichen Austausch ohne Zeitdruck.

Nachteile Arbeiten auf dem Land

Möglicherweise finden Sie in einer älteren Praxis auch eine ältliche Ausstattung. Hier ist vielleicht die Digitalisierung noch nicht ganz angekommen – und manchmal auch nicht favorisiert. Auch ist es möglich, dass nicht alle neuesten Behandlungs- und Therapieoptionen angeboten werden. Dürfen Sie Neues einführen, die Anschaffung modernerer Materialien oder längere Praxisöffnungszeiten anregen? Manche Praxisbetreiber sind sehr offen – andere wiederum möchten ihre langbewährten Strukturen beibehalten und wünschen sich, dass Sie deren Methoden übernehmen.

Vorteile Leben auf dem Land

Das Leben im ländlichen Bereich bietet oft eine höhere Lebensqualität. Meist handelt es sich um eine schöne Gegend oder eine touristisch interessante Region. Hier bieten sich gute Freizeitmöglichkeiten, wenngleich auch andere als in der Stadt: Wer vom beruflichen Alltag mit Mountainbiking, Kanufahren, Wandern oder nur bei Spaziergängen im Grünen und guter Luft entspannen möchte, wir in vielen Regionen fündig. Das Landleben eignet sich gut für junge Familien, denn Hortplätze und Kinderbetreuung sind oft gut zu bekommen. Die Menschen auf dem Land leben oft in einer Gemeinschaft, in der man sich im Gegensatz zu städtischer Anonymität umeinander kümmert. Und: Wohnen ist preiswerter und die Auswahl an Wohnraum größer.

Nachteile Leben auf dem Land

Eine ausgeprägte Infrastruktur wie in der Stadt sucht man hier vergebens. Das Einkaufsangebot ist eingeschränkt, das gastronomische auch: Die spezielle Sorte Lieblingsmüsli oder ein veganes Restaurant – oft Fehlanzeige. Auch verfügt nicht jeder Ort über eine eigene Bank- oder Postfiliale, passende S- Bahn-Anschlüsse oder Busverbindungen. Hier kann ein Auto vonnöten sein – auch, um den Nachwuchs gegebenenfalls in eine weiterführende Schule im Nachbarort zu bringen. Letztlich ist das Jobangebot begrenzt – das sollte auch beachtet werden, wenn sich der Partner hier mit niederlassen soll.

Gehalt: Stadt oder Land – wo verdienen angestellte Zahnärzte mehr Geld?

Grundsätzlich ist das Gehalt eines angestellten Zahnarztes Verhandlungssache, denn Tarifverträge gibt es nicht. Laut Karrierekompass, einem Internetportal der ApoBank, wird ein Brutto-Einstiegsgehalt von 4.500 Euro empfohlen, sofern es sich um ein Festgehalt handelt. Dieses steigt mit der Berufserfahrung. Erhält der angestellte Zahnarzt dagegen eine Umsatzbeteiligung vom selbst erwirtschafteten Umsatz, werden etwa 3.500 Euro als Festgehalt angesetzt, hinzu kommt die Gewinnbeteiligung von etwa 15 bis 25 Prozent.

Auch der Standort des Arbeitsplatzes schlägt sich im Gehalt nieder. Befindet sich die Praxis in einem ländlichen Gebiet mit einer Einwohnerzahl zwischen 20.000 und 100.000 Einwohnern, beträgt das durchschnittliche Festgehalt (ohne Umsatzbeteiligung) rund 55.000 Euro pro Jahr. Rund 5.000 Euro mehr verdienen angestellte Zahnärzte in Großstädten ab einer Einwohnerzahl von 100.000 Einwohnern: Hier beträgt das Bruttogehalt rund 60.000 Euro pro Jahr. Höher wird das Gehalt als Fachzahnarzt (Oralchirurg Kieferorthopäde) oder mit einer Zusatzqualifikation (Parodontologie, Endodontie).

Mitbestimmung, Flexibilität und Lebensstil: Was angestellten Zahnärzten wichtig ist

Angestellte Zahnärztinnen und Zahnärzte gehören oft den Generationen Y und Z an und wünschen sich flache Hierarchien, das Arbeiten im Team, Mitbestimmung, neue individuelle Arbeitszeitmodelle und Flexibilität. Sie legen Wert auf eine moderne Praxisausstattung, sind digital unterwegs, familienorientiert und nicht mehr so karriereorientiert wie die ältere Generation, die eher aus Individualisten und Einzelkämpfern bestand.

Zudem nimmt die Beliebtheit flexibler und lebensphasenbegleitender Teilzeitmodelle zu, denn die Vereinbarkeit von Familie, Freizeit und Beruf wird laut apoBank-Studie immer wichtiger. Eine große Rolle bei der Entscheidungsfindung spielen jedoch auch sogenannte weiche Faktoren wie gute Jobaussichten für den Partner, gute Verkehrsanbindung, Infrastruktur für die Kinderbetreuung sowie kulturelle Freizeitangebote: Familienfreundlichkeit punktet!

IDZ-Studie: Der Trend geht zum mittelständischen Raum

Laut einer Studie des Instituts Deutscher Zahnärzte, die präferierte Tätigkeitsorte von jungen Zahnärztinnen und Zahnärzten in Deutschland untersucht hat, konnte sich rund die Hälfte der Befragten vorstellen, im mittelständischen Raum zu arbeiten, doch auch der ländliche Raum kam für einen Teil der Befragten in Frage – je nach Bundesland zwischen 57 Prozent und 95 Prozent. Am beliebtesten sind kleinere Großstädte und größere Mittelstädte. Auch ist interessant, dass sich mindestens die Hälfte der Befragten ihre neue Tätigkeit ebenfalls wieder in ihrem alten Kammer- /KZV-Bereich vorstellen konnten. Als Alternative kamen neben der Heimatregion oft nur benachbarte Kammer-/KZV-Bereiche in Frage. Stadt oder Land – wer hat nun die Nase vorn? Die Wahrheit liegt also – wie so oft – in der Mitte. Und ja – man kann auch auf dem platten Land oder im hippsten Viertel der Großstadt seinen Traum-Arbeitgeber finden, wenn der Arbeitsplatz den eigenen Bedürfnissen und Zielen entspricht.

Übrigens: Berücksichtigen Sie jetzt in der Corona-Zeit auch, in welchen Regionen überhaupt Stellenangebote verfügbar sind. Viele Praxen haben ihre Jobangebote aufgrund der Pandemie zurückgeschraubt und stellen derzeit niemanden ein. Trotzdem kann es sich lohnen, den Praxisinhaber der Wunschpraxis gezielt anzufragen, ob nicht doch eine Chance besteht, in einiger Zeit die Praxis zu verstärken.

Wichtig ist in jedem Fall, dass Sie sich wohlfühlen und Ihre beruflichen und privaten Ziele verfolgen können. Dann finden Sie in Ihrer neuen Anstellung sehr wahrscheinlich Ihren Traumjob – egal, ob in der Stadt, auf dem Land oder irgendwo dazwischen.

Selbsttest: Was mir wichtig ist

Die Entscheidung „Stadt, Land oder dazwischen“ ist nicht ganz einfach – und hängt entscheidend von Ihrer Persönlichkeit ab. Wenn Sie unsicher sind, welcher Standort am besten zu Ihnen passt, horchen Sie einmal in sich hinein, um Ihre Wünsche und Bedürfnisse zu ergründen. Unser kleiner Selbsttest soll Sie bei der richtigen Entscheidung unterstützen:

Selbsttest Standort Zahnarztpraxis

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Ein Beitrag von:
Monia Geitz

Monia Geitz ist Fachjournalistin, Redakteurin und PR-Referentin und seit 20 Jahren in der Dentalbranche zu Hause.

        

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