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Choosing Wisely - Unnötige Maßnahmen in der Zahnmedizin

Lesezeit: ca. 3 Min. | Beitrag vom

Zusammenfassung
4.3 / 5 aus 28 Abstimmungen

Wie so oft haben es die Amerikaner vorgemacht: Mit der so genannten "Choosing Wisely"-Initiative, die 2011 von Fachgesellschaften und Spezialisten aller Gebiete der Medizin ins Leben gerufen wurde, sollen Maßnahmen in der Medizin identifiziert werden, die häufig unnötig oder gar schädlich für den Patienten sind und trotzdem häufig durchgeführt werden. Die Hinterfragung medizinischer Maßnahmen ist nun schon seit Längerem auch nach Deutschland geschwappt und auch Thema in der Zahnmedizin.

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Choosing Wisely - Zahnmedizin in Deutschland

Im Gegensatz zur amerikanischen Choosing Wisely - Initiative, die ihren Fokus auf die Überversorgung legt und durch die Reduktion medizinischer Maßnahmen Kosten einsparen will, geht es in Deutschland um die Beseitigung von Über- und Unterversorgung gleichermaßen. Unter dem Motto "Gemeinsam klug entscheiden" startet die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) eine Qualitätsoffensive.

Gewohnte Behandlungsmethode als Zahnarzt hinterfragen: Choose Wisely

Ziel der Initiative ist es, Ärzte aller möglichen Fachbereiche dazu zu bewegen, gewohnte Behandlungsmethoden zu hinterfragen und im Austausch mit dem Patienten zur besten Behandlungsmethode zu gelangen. Im Frühjahr 2015 wurde dafür eine Kommission eingesetzt, die das methodische Vorgehen entwickelt und testet.
Effekte zahnmedizinischer Behandlungen erst langfristig sichtbar

Auch in der Zahnmedizin gilt es, unnötige Behandlungen ausfindig zu machen, sowie die Unterversorgung zu regulieren. Die Schwierigkeit hierbei sei es in der Zahnmedizin laut Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der BZÄK, dass sich die Effekte bestimmter zahnmedizinischer Behandlungen erst nach vielen Jahren einstellen. Daher ist es in der Zahnmedizin im Vergleich zu anderen medizinischen Bereichen teilweise sehr schwer zu entscheiden, ob eine Behandlung sinnvoll ist oder nicht. Dadurch müsste es laut Oesterreich mehr Langzeitstudien im zahnmedizinischen Bereich geben, die diese Wissenslücke füllen, sodass auf Grundlage dieser Ergebnisse eine Entscheidung bezüglich der Über- und Unterversorgung getroffen werden könnte.

Beispielsweise ist das Wissen über die Erkrankung Parodontitis immer noch nicht sehr ausgereift, sodass es keine genauen Empfehlungen gibt, wie Ärzte am besten vorgehen. Auch bei Füllungen ergeben sich Unklarheiten: Diskutiert wird, ob ältere Füllungen statt gänzlich ausgetauscht auch einfach repariert werden könnten.

Überholte Leistungen ausfindig machen

Auch der Geschäftsführer des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung Dr. Dominik Graf von Stillfried ist von der Notwendigkeit der Identifizierung unnötiger Maßnahmen im deutschen Dentalbereich überzeugt. Durch die Weiterentwicklung der Medizin sei es unbedingt notwendig, mittlerweile überholte Leistungen ausfindig zu machen und diese auch klar zu kommunizieren. Daher müssten sich die Fachgesellschaften auf diese Leistungen einigen, um diese dann an die Zahnärzte herantragen zu können, betont der Geschäftsführer.

Initiative soll für individuellere Behandlung sorgen

Klug ausgewählte Empfehlungen sollen schließlich für wissenschaftlich und ethisch begründete Entscheidungen stehen und in angemessener Form in die Öffentlichkeit zur Diskussion getragen werden. Schließlich sollen diese Empfehlungen beim Zahnarzt direkt landen. Dabei soll der Zahnarzt sich nicht strikt an diese Empfehlungen halten, sondern diese im Hinterkopf behalten und im Gespräch mit dem Patienten ganz individuell besprechen, welche Behandlungsmaßnahmen das Beste für den Patienten sind. Somit soll die Initiative für individuellere Behandlungen sorgen und das Patientenwohl in den Mittelpunkt rücken. Diese Empfehlungen wurden im Rahmen der "Choosing Wisely" - Initiative aus den USA bereits veröffentlicht. Die Top-5-Liste der "Don't Do"-Empfehlungen sieht für den zahnmedizinischen Bereich in den USA so aus:

Die 5 "Don't Do"-Empfehlungen der "Choosing Wisely"-Initiative für den Dentalbereich

  • Empfehlen Sie Kindern und Kleinkindern keine Zahnpasta ohne Fluoride.
  • Vermeiden Sie restaurative Behandlung als erste Wahl für beginnende Kauflächenkaries ohne zuerst Versiegler in Betracht zu ziehen.
  • Vermeiden Sie Schutzstabilisierung, Sedierung oder Narkose bei Kindern, ohne Berücksichtigung aller anderen Optionen mit dem Erziehungsberechtigten.
  • Vermeiden Sie die routinemäßige Verwendung irreversibler chirurgischer Verfahren wie Zahnspangen, okklusale Equilibrierung und Füllungen als erste Behandlungswahl in der Handhabung von Kiefergelenkserkrankungen.
  • Ersetzen Sie Füllungen nicht einfach nur, weil sie alt sind.

Ursachen der Übertherapie

Die Ursachen der Überdiagnostik oder Übertherapie seien in Deutschland aus Sicht der AWMF die Sorge vor juristischen Konsequenzen, die Anspruchshaltung mancher Patienten sowie das deutsche Anreizsystem, das Handeln im Vergleich zum Unterlassen stärker belohnt. Indem Ärzte sich zunehmend genötigt sehen, wirtschaftlich zu handeln und konkrete Behandlungsmaßnahmen in der Zahnmedizin im Gegensatz zu längeren Gesprächen mit dem Patienten finanziell mehr belohnt werden, entsteht eine Übertherapie. Die "Gemeinsam klug entscheiden" - Initiative soll daher auch eine Reaktion auf die zunehmende marktwirtschaftliche Orientierung des Gesundheitssystems sein.

Quelle:

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